Roadmap zum klimaneutralen Wuppertal Institut

Das Ziel eines kohlenstoffarmen Wuppertal Instituts gehen wir mithilfe unserer achtschrittigen „Roadmap“ strukturiert an.

1. Erhebung einer validen Datenbasis

Zu Beginn unserer Analyse steht die Datenerhebung, welche möglichst vollständig und belastbar, sowie hinsichtlich der Genauigkeit mit Fokus auf die wesentlichen Bereiche beschaffen sein soll. Für uns bedeutet das, dass wir vorhandene Kennzahlen für den Gebäude- und Mobilitätsbereich erweitert haben, um alle Bereiche abzudecken. So haben wir auch die Verbrauchsdaten des Standorts Berlin sowie der Pendelwege unserer Mitarbeitenden analysiert. Anhand unserer Buchhaltungskonten haben wir erstmals versucht die Treibhausgas-Emissionen unserer Beschaffung abzuschätzen.

2. Strukturen einführen und klare Zuständigkeiten definieren

Nur mit leistungsfähigen Strukturen lassen sich Ziele erreichen.
Das Klimaneutralitätsziel wird organisatorisch in die etablierten Strukturen unseres Nachhaltigkeitsmanagement eingebettet. Zusätzlich wird die Funktion des/der Nachhaltigkeitsbeauftragten mit eigenem Stundenkontingent und eigenem Budget gestärkt.

3. Zielsetzung definieren

Als nächstes steht die differenzierte Ausformulierung von Zieltypen (relative oder absolute Reduktion) und Definition von langfristigen, übergeordneten Zielen an. Als Basis für die Ableitung dieser Ziele haben wir eine externe Analyse vornehmen lassen, inwieweit wir derzeit mit dem 1,5-Grad-Ziel des Pariser Klimaschutzabkommens kompatibel sind. Das Paris-kompatible Ziel für unseren Sektor beträgt 1,40 Grad (Target XDC). Das Wuppertal Institut erreicht einen Wert von 1,42 Grad (Baseline XDC). Wir sind also noch nicht ganz am Ziel.

4. Roadmap erstellen

Die quantifizierbaren Ziele werden in Umsetzungsschritte mit konkreten Daten für die Zielerreichung überführt. Es entsteht eine „Roadmap“.

5. Maßnahmenportfolio entwickeln und Treibhausgas-Reduzierung bilanzieren

Auf Basis unseres THG-Inventars 2019/2020 wurden schon die Handlungsfelder deutlich: Mitarbeiter*innen-Mobilität und Dienstreisen sind die zentralen Herausforderungen auf dem Weg zur Klimaneutralität.

6. Maßnahmen priorisieren

Die Priorisierung der einzelnen zur Umsetzung identifizierten Maßnahmen wird durch den oder die Nachhaltigkeitsbeauftragte festgelegt. Dies erfolgt jährlich in Abstimmung mit der Geschäftsführung. Dabei wird die AG Nachhaltigkeitsmanagement beteiligt. 2021 lag der Fokus auf der Erarbeitung einer Datenbasis und dem Aufbau von Strukturen, sodass ab 2022 wieder verstärkt inhaltliche Themen aus dem Maßnahmenportfolio im Vordergrund stehen können.

7. Interne und externe Kommunikation und Qualifikation

Die interne Berichterstattung erfolgt nach vollständiger jährlicher Erhebung durch den oder die Nachhaltigkeitsbeauftragte an die Geschäftsführung. Extern wird im Rahmen des regulären Berichtszyklus kommuniziert. Die vorliegende Website ist ein Teil davon.
Zur Bilanzierung des Fortschritts legen wir im Folgenden zu den einzelnen Bereichen Kennzahlen vor und stellen bereits umgesetzte Maßnahmen dar, sowie die Veränderung der Treibhausgas-Emissionen für die entsprechenden Zeiträume, um die Veränderungen zu bilanzieren.

8. Perspektivisch: Konzeptentwicklung zum „Internal Carbon Pricing“

Wir streben an Mechanismen zu entwickeln und zu implementieren, welche die verbleibenden Emissionen mit der verursachenden Tätigkeit derart in Verbindung bringen, dass die „Kosten“ dort sichtbar werden, wo die Entscheidungen darüber getroffen werden.

Kurzcheck Klimaneutralität

Für die Erreichung der erklärten Ziele auf dem Weg zur Klimaneutralität ist ein konsequent an wissenschaftliche Erkenntnisse angelegtes Handeln notwendig. Hier am Wuppertal Institut forschen Wissenschaftler*innen interdisziplinär an konkreten Lösungswegen. So konnten 2021 zehn konkrete Empfehlungen zur Umsetzung von Klimaneutralität in Unternehmen formuliert werden.

Priorisierung

Die Klimaschutzmaßnahmen sollten so priorisiert werden, dass eine möglichst effektive, absolute und nachhaltige Reduktion der Treibhausgase erfolgt.

Klimaschutz-zertifikate

Die zum Offsetting erworbenen Klimaschutzzertifikate müssen robust und ökologisch integer sein. Sie dürfen weder das Übereinkommen von Paris untergraben noch negative soziale und ökologische Auswirkungen haben.

Klimaneutralität

Klimaneutralität ist als Zieldefinition hilfreich und markiert den Anspruch eines Unternehmens. So lange Klimaneutralität für das ganze Unternehmen noch nicht erreicht ist, kann diese Eigenschaft nur in Ausnahmefällen für einzelne Produkte oder Dienstleistungen in Anspruch genommen werden.

Neutralitätsziele

Neutralitätsziele und der Stand ihrer Umsetzung sollten transparent berichtet werden und Vergleichbarkeit gewährleisten.

Datenbasis

Die Bestimmung der unternehmenseigenen Klimabilanz sollte auf einer robusten und geprüften Datenbasis beruhen und die vor- und nachgelagerten Wertschöpfungsstufen berücksichtigen.

Prüfung eigener negativer Emissionen

Maßnahmen zur Abtrennung und Speicherung von CO2 sowie Investitionen in negative Emissionen durch natürliche Senken sollten nur dann eingesetzt werden, wenn sie der Begrenzung unvermeidbarer Emissionen dienen oder innerhalb der eigenen Organisationsgrenzen umsetzbar sind.

Klimaschutz-initiativen

Statt in Offsetting zu investieren ist es in vielen Fällen sinnvoller, Länder des Globalen Südens beim Klimaschutz direkt zu unterstützen oder auch lokale Klimaschutzinitiativen zu fördern.

Kontinuierliche Klimaschutz-maßnahmen

Investitionen in die eigenen Klimaschutzmaßnahmen und in der vor- oder nachgelagerten Wertschöpfungskette sollten Neutralitätsziele von Beginn an begleiten.

Offsetting

Die Finanzierung von Offsetting-Projekten sollte ausschließlich zum Ausgleich von Emissionen genutzt werden, die in den eigenen Prozessen nicht reduziert oder vermieden werden können. Grundsätzlich sollte der Anteil der Emissionen, die über Offsetting-Projekte ausgeglichen werden, über die Zeit abnehmen.

Ambitions-steigerung

Klimaschutzzertifikate, die sich Unternehmen auf die eigene Zielerreichung anrechnen, sollten einen zusätzlichen Beitrag leisten und entsprechend über die von den Staaten unter dem Pariser Klimaabkommen gemachten Zusagen hinausgehen, um die in dem Abkommen angelegte Ambitionssteigerung zu flankieren.

Das Wuppertal Institut stellt in seinem Zukunftsimpuls „Klimaneutralität in Unternehmen“ Empfehlungen für die Formulierung von Neutralitätszielen bereit. „Zukunftsimpulse“ erscheinen in loser Folge und liefern Thesen, Diskussionsbeiträge, Einschätzungen, Stellungnahmen und Forschungsergebnisse mit Bezug zu aktuellen politischen Debatten.

XDC-Bericht

Das Wuppertal Institut orientiert sich im Bereich des Klimaschutzes an den Pariser Klimazielen. Die Ende 2015 in Paris von der internationalen Staatengemeinschaft beschlossene Vereinbarung gibt das Ziel vor, die Erderwärmung auf deutlich unter 2 Grad Celsius, möglichst aber auf unter 1,5 Grad Celsius gegenüber dem vorindustriellen Niveau zu begrenzen. Dies erfordert eine deutliche Senkung der Treibhausgasemissionen und damit möglichst zügig Treibhausgasneutralität zu erreichen. Mit dem Zielbild der ressourcenleichten Gesellschaft nimmt das Wuppertal Institut zusätzlich die Ressourcenperspektive in den Blick.

Um zu ermitteln, wo wir auf dem Weg zur Treibhausgasneutralität stehen, haben wir unsere „Paris-Kompatibilität“ extern von „right. based on science GmbH“ berechnen lassen. Das Ergebnis zeigt uns, dass wir noch Hausaufgaben zu erledigen haben. Für 2019 verfehlen wir unser Ziel um 0,02 Grad Celsius. Wir erreichen 1,42 Grad Celsius, der Zielwert für unseren Sektor liegt bei 1,40 Grad Celsius. Auf der Basis der 2020er Zahlen erreichen wir die Paris-Kompatibilität gerade (1,40 Grad) und zwar mit allen Corona-Einschränkungen. Kompensationen bleiben bei dieser Betrachtung bewusst außen vor. Die Zahlen zeigen uns, dass wir vor allem im Bereich der Mobilität (Mitarbeiter*innen-Mobilität und Dienstreisen) noch besser werden müssen, wenn wir unserem Ziel der Klimaneutralität näher kommen wollen.

Paris-kompatibles CO2-Budget

Entwicklung der Gesamtemissionen

Die Entwicklung der Gesamtemissionen zeigt, um wie viel die Emissionen reduziert werden müssten, damit das Wuppertal Institut Paris-kompatibel wird. Die eingefärbte Fläche zeigt das verbleibende Emissionsbudget auf Basis der berichteten Emissionen.
Die Reduktionsrate legt die Annahme zugrunde, dass sich die Bruttowertschöpfung des Wuppertal Instituts entlang der Baseline-Annahmen entwickelt. Diese projizieren die Bruttowertschöpfung und die Emissionen des Unternehmens bis 2050. Als Grundlage für die Projektionen dient das „Shared Socioeconomic Pathway 2“-Szenario, welches historische sozioökonomische Muster fortschreibt und unter anderem in den Berechnungen des Weltklimarates verwendet wird.

Jahr% Reduktion vs. 2019
2035- 29 %
2030- 50 %
2050- 100 %

Entwicklung nach Emissionskategorie

Scope 1

Die Emissionsreduktionsanforderungen für die direkten Emissionen (Scope 1) basieren auf den Reduktionsraten, die im NZE2050-Szenario für Ihren Sektor definiert sind.

Jahr% vs. 2019
2035- %
2030- %
2050- %

Scope 2

Emissionen aus dem Energieeinkauf (Scope 2) müssen entlang der Reduktionsraten für den Energiesektor sinken.

Jahr% vs. 2019
2035- 36 %
2030- 64 %
2050- 105 %

Scope 3

Emissionen in der vor- und nachgelagerten Wertschöpfungskette (Scope 3) müssen entlang der vom Weltklimarat definierten Reduktionsraten für die Weltwirtschaft sinken.

Jahr% vs. 2019
2035- 29 %
2030- 48 %
2050- 100 %